Vorweg: Wir wollen mit diesem Beitrag keine Werbung machen. Wir haben alles selbst bezahlt. Dieser Beitrag enthält möglicherweise unbeauftragte und unbezahlte Werbung – einfach nur weil ich aufschreibe was wir gemacht, gegessen oder gelesen haben.
Dieses Jahr sind wir im Sommer in die schönen Alpen, in die Region von Bayrischzell, gefahren. Mit den Kindern waren wir bisher noch nie in den Bergen. Jetzt, mit 5 und 9 Jahren, sind sie in einem guten Alter für kleine Wanderungen.

#1 Wir treten eine lange Reise mit Bus & Bahn an. Wir brauchen zehn Stunden von Tür zu Tür, mit einigem Hin und Her am Münchener Bahnhof. Auf der langen Fahrt wechseln sich die Fahrgäste am Tisch nebenan mehrfach ab und wir können ein Spektrum von Mitmenschen beobachten. Der Münchener Bahnhof bleibt uns als laut und ungemütlich in Erinnerung. Es gibt viel zu wenig Sitzgelegenheiten. Wir hatten beide Male großzügig Umsteigezeit eingeplant, brauchten den Puffer letztendlich nicht und wussten nicht so recht, was wir dann am Bahnhof machen oder wo wir sitzen können.


#2 Wir haben uns in einem sehr schönen Ferien-Bauernhof eingemietet. Alles ist gemütlich und sauber und immer gibt es den Blick auf die schönen Berge. Es gibt sogar einen kleinen Pool, den wir öfter benutzen als ich erwartet habe, denn er ist beheizt und bei schlechtem Wetter kann man einen Deckel über die Schwimmfläche ziehen und trotzdem schwimmen. Genial.

#3 Am ersten Tag lassen wir es ruhig angehen, erkunden Bayrischzell & den Hof und gehen einkaufen. Am zweiten Tag machen wir die Wendelstein-Männlein Wanderung, die für Kinder gedacht ist und viele interessante Wegpunkte bereithält. Allerdings erwischen wir einen warmen Tag und für uns Flachländler ist die Wanderung auch für Erwachsene recht anstrengend.

#4 Kurze Pause an der grünen Gumpe. Es ist sehr schön und wir würden gerne länger bleiben, wollen aber lieber aufbrechen um nicht zu spät wieder in der Ferienwohnung zu sein. Denn im Dunkeln wollen wir nicht mehr auf den Wanderwegen unterwegs sein und der kleine Sohn ist zudem noch ein unberechenbarer Faktor in der Zeit-Planung.

#5 Er entscheidet sich aber tatsächlich noch für einen Umweg und wird mit Kuchen belohnt. Wir erreichen den Siglhof auf halber Strecke und genießen die Pause. Hier steht auf dem Weg auch wieder ein Jesus am Kreuz herum. Davon gibt es hier wirklich viele. Wir müssen die Kinder öfter ermahnen nicht allzu laut seltsame Fragen zu stellen. Nach über 18000 Schritten sind wir wieder in der Ferienwohnung. Für den nächsten Tag ist dann Erholung und im Pool plantschen angesagt. Mein Mann hat die Aufsicht und ich breche an den Ruhe-Tagen dann auch mal alleine auf um die Gegend zu erkunden. So komme ich in der ersten Woche auch auf stolze 93000 Schritte.


#6 Nach zwei Tagen Regen- und Ruhepause machen wir noch eine schöne Wanderung durch einen kleinen Märchenwald. Dort kann man Wichtel zählen und die Anzahl in der Touristen-Info angeben. Wir zählen 47, wissen aber nicht ob wir alle gesehen haben, denn die Touristen-Info ist noch drei Kilometer vom Märchenwald entfernt und soweit will nach der Wanderung keiner mehr gehen. Die Kinder sind wieder super mitgelaufen und die Wichtel waren mitunter sehr gut versteckt. Es gab große und sehr kleine, tiefer im Wald oder direkt am Weg. Eine tolle Idee. Auf dieser Wanderung grübelte mein großer Sohn lange über den Gasweg für Kinder bzw „Gas weg für Kinder!“. Er kam einfach nicht drauf.


#7 In der zweiten Woche fahren wir endlich hoch auf den Wendelstein. Die Bergspitze konnten wir täglich von der Ferienwohnung aus sehen. Wir fahren mit der Seilbahn hoch (67 Euro für Familie mit zwei Kindern), oben angekommen ist ordentlich was los. Wir wandern noch bis zur Gipfelspitze und stellen dort fest, dass wir die extra geschmierten Gipfelbrötchen im Kühlschrank vergessen haben. Also gönnen wir uns Pommes & Schnitzel oder Currywurst zu Gipfel-Preisen (16,90 Euro für das kleine Schnitzel – hat dafür aber auch sehr gut geschmeckt).

#8 Mein kleiner Sohn darf auch Fotos schießen und so sieht es vom Wendelstein aus seiner Perspektive aus.

#9 Abstieg vom Gipfel. Im Nachhinein wünschte ich ein wenig, ich hätte seltener „Pass auf.“ und „Sei vorsichtig.“ gesagt. Das muss ich mir echt mal abgewöhnen. Es war aber auch wirklich sehr hoch und teilweise ging es recht steil bergab. Es gab auch Wege ohne Zaun, aber die haben wir uns einfach nicht getraut. Der große Sohn hopst so unbedarft durch die Gegend und der jüngere Sohn ist manchmal noch etwas töffelig.

#10 Die letzten Tage hatten wir richtig schönes Wetter. Ich wollte meinen Jungs ein paar Erlebnisse bieten und so fahren wir auch noch zum Schliersee und fahren dort mit der Seilbahn hoch auf die Schliersbergalm. Im Nachhinein betrachtet war dieser Ausflug ein kleiner Reinfall. Für den Tag hätten wir uns eine kleinere Unternehmung vornehmen sollen, aber hinterher ist man immer schlauer.
Wir wollten uns die Sommerrodelbahn anschauen und nochmal Seilbahn fahren, aber irgendwie hatten wir an dem Tag nicht so viel Glück. Erst einmal stellen wir fest, dass es ab dem Tag Schienenersatz-Verkehr auf der Strecke Bayrischzell-Schliersee gibt, dann dass der Abfahrort nicht am Bahnhof ist (darüber gibt es keine Info in der DB-App). Wir rennen also mit nörgelnden Kindern wieder durch den Ort um die Bushaltestelle zu finden. Der Zug/Bus fährt immerhin nur jede Stunde. Wir schaffen es und sitzen dann überhitzt im nicht-klimatisierten Bus. Die 600 Meter zur Talstation sind recht steil und wieder leidet besonders unser jüngster Sohn sehr. Die Gondelfahrt macht dann wieder allen Spaß. Dabei schauen wir runter auf die Sommerrodelbahn. Wir haben viele Google-Bewertungen mit Berichten von Verbrennungen an Armen und Beinen gelesen und nutzen daher auch für die Talfahrt lieber die Seilbahn. An dem Tag hat auch einfach keiner mehr Lust auf ein Abenteuer.
Oben gibt es dann zwar eine schöne Aussicht, aber wir finden kein schattiges Plätzchen. Es ist voll, laut und die Sonne brennt uns auf das Haupt. Kurzum: Wir sind gestresst und haben nicht soviel Spaß. Wir essen unsere Gipfelbrötchen und wollen danach ein Eis. Wir suchen und suchen und ergattern irgendwann für stolze 12 Euro drei kleine Papp-Eisbecher.
Nach dem Eis habe ich schon genug von der Alm, mein Mann sowieso und so fahren wir wieder runter und erwischen eine Bahn statt eines Busses und sind sehr froh darüber.

#11 Am Bahnhof springen wir noch kurz bei Edeka ein und die Kinder bekommen dort zwei Überaschungseier. Für die beiden das eigentliche Highlight das Tages: ein kleiner Super-Mario und Sterni.

#12 Letzes Mal am Bahnhof in Osterhofen stehen und den Blick auf die Berge genießen. Schön war’s.
Was gibt es sonst noch Erwähnenswertes?
- Ich hab elf Tage hintereinander das dynamische Schrittziel meiner Uhr erreicht. Selbst an ruhigen Tagen schaffe ich hier locker 12000 Schritte. Am Tag mit der Wendelstein-Männlein Wanderung liege ich sogar über 18000. Das ist mit einem Fünfjährigen an der Seite schon ganz großes Kino. Meine Jungs haben das super gemacht. Der große Sohn hat nicht ein einziges Mal über das Laufen gemeckert.
- Der kleine Pool am Hof wird das eigentlich Highlight dieses Urlaubs. Nach einiger Überwindung tauche ich sogar mal wieder ein paar Bahnen, mit Augen auf! Mit den Kindern verbringe ich einige schöne Stunden im Pool.
- Die Ferienwohnung ist eine gemütliche Dachgeschosswohnung. An den zwei Regentagen haben wir es dort gut ausgehalten, gemütlich auf der Couch, während der Regen auf das Dach prasselte. Nur in der Küche fehlte ein wenig Equipment. Aber auch die mit der Gabel geschlagenen Pfannkuchen waren sehr lecker.
- Wir besuchen das Lichterfest in Bayrischzell und bestaunen das typisch bayrische Volksfest. Wir sehen viele Lederhosen und Dirndl und es gibt Musik mit Peitschen. Die Kinder ergattern einige Luftballon-Tiere und sind auch happy. Nur der Rückweg an der dunklen Landstraße ist nicht nach meinem Geschmack. Fußwege gibt es hier leider nicht so viele.
- Auf dem Spielplatz spielen wir öfter mit dem Jüngsten „Der Boden ist Lava“ und mit dem Großen fahre ich immerhin ein Kettcar-Rennen.
- Ich lese „James“ von Percival Everett und danach entdecke ich auf dem E-Book Reader noch einen ungelesenen Terry Pratchett – Pyramids. Wieder sehr lustig.
- Am letzten Tag führt uns die Bäuerin noch durch den Stall. Die Kindern dürfen richtig ein bisschen mithelfen, verteilen Stroh und füttern die kleinen Kühe. Wir bestaunen die Melk-Maschine bei der die Kühe eigenständig bei Bedarf eintreten können. Die Zitzen findet die Maschine selbst und bei Problemen bekommt der Bauer eine Push-Nachricht aufs Handy. Die Kinder hängen noch die Milch-Eimer bei den Jung-Kühen ein und wir bestaunen wie hungrig die Kälber nuckeln. Währenddessen verteilt der Bauer ordentlich Gülle auf den Feldern, denn es soll am nächsten Tag regnen. Der Geruch begleitet uns noch bis zur Abreise.
